Foto-Tipps

Kerzenschein: Lichtspiele auch ohne Bildbearbeitung

In der dunklen Jahreszeit erfreuen sich viele Menschen an den kleinen und größeren Flammen: leicht flackernde Kerzen oder lodernde Kaminfeuer wärmen vor allem von innen – und reizen auch zu Lichtspielereien mit der Kamera. Wenn man weiß, wie, kann man damit wunderschöne Effeke erzielen – wir verraten ein paar Tricks und Kniffe.

Seit Urzeiten hat Feuer eine beruhigende, positive Wirkung auf den Menschen – was angesichts der Tatsache, dass wir früher wie heute dem Element Feuer unser Leben verdanken, nur allzu natürlich ist. In der Fotografie können wir uns diese Wirkung zunutze machen und ein wenig experimentieren: ein gut gemachtes Portrait im Kerzenschein strahlt Wärme aus und berührt unser Inneres. Ein paar Grundvoraussetzungen sollten geschaffen sein, dann kann es losgehen.

Zunächst sollte sich das Motiv in einem zugfreien Raum befinden – die Kamera wird unweigerlich eine längere Belichtungszeit benötigen, und Luftzug-bedingtes Flackern kann zu Unschärfen und zu verschwommenen Ergebnissen führen. Desweiteren sollte eine Möglichkeit gegeben sein, die Kamera verwacklungsfrei auszulösen – bei Kompaktkameras kann man sich hier etwas behelfen, indem man sie nach Tätigen der nötigen Grundeinstellungen auf einen stabilen Untergrund auflegt  und den Selbstauslösermodus dazu zweckentfremdet, eine berühungsfreie Auslösung zu erzielen. Die ideale Grundausrüstung für solcherlei Aufnahmen sind natürlich eine manuell steuerbare Kamera, gepaart mit einem Stativ und einem Fernauslöser – aber wer experimentieren mag, kann hier durchaus auch mit weniger profesionellem Equipment erfolgreich sein. Der Selbstauslöser ist übrigens für alle, die gerne mit Licht spielen, ein Allroundtipp, der den Lesern auch in meinen künftigen Tipps und Tricks noch öfter begegnen wird – ich besitze jahrelange Praxis darin, einfache Kompaktkameras zu analysieren und ihre Features und Schwächen gezielt zur Bildoptimierung einzusetzen. Übrigens: wer gerne mit Licht spielt, sollte sich auch einmal in einer unwirtlichen Nacht nach draußen begeben, den Naturgewalten stellen und Blitze fotografieren – Gewitter und Donnerwetter sind zwar im Gegensatz zu Kerzen weniger heimelig, bilden aber auch fantastische Motive – doch zurück zu unserem kleinen Howto.

Die erwähnten Grundeinstellungen sollten wie folgt aussehen: eine möglichst kurze Belichtungszeit ist wünschenswert, um verschwommene Motive zu vermeiden – hier trennen sich die Wege zwischen Fotografen mit vollautomatischen Kompaktkameras und jenen mit manuell einstellbaren Kameras, das Ergebnis kann aber durchaus ähnlich sein. Im Automatikbereich sollte ein Programm gewählt werden, das auf Dunkelheit abgestimmt ist – viele Modelle haben hierfür Modi wie „Nachtportrait„, „Nachtlandschaft“ oder Ähnliches implementiert, meist erkennbar an Mond und Sternen im Modus-Piktogramm; im Zweifelsfall helfen (am besten direkt dokumentierte!) Motivreihen, um die eingebauten Programme zu erkunden und das optimale Programm zu finden. Manuell einstellbare Kameras werden auf eine hohe ISO-Zahl eingestellt (Achtung, Bildrauschen ist auch im Bildbearbeitungsprogramm nachträglich nur sehr schwer zu entfernen – selten empfiehlt sich die Maximaleinstellung!) – in einem abgedunkelten Raum sollte bei ISO 800 oder ISO 1000 ein brauchbares scharfes Motiv zu erzielen sein. Die Belichtungszeit sollte wie erwähnt so kurz wie möglich gehalten werden – die Belichtungsmessung sollte hierbei auf eine vom Kerzenschein beleuchtete Fläche erfolgen; dazu am besten die Kerze kurz aus dem direkten Fokusbereich nehmen und mittels AEL-Taste den Belichtungswert speichern oder merken, dann das Motiv wieder aufbauen. Dass der Blitz bei manuellen wie automatischen Kameras deaktiviert sein sollte, versteht sich von selbst.

Und nun bleibt nichts weiter als experimentieren: fotografieren, fotografieren, fotografieren – und wie üblich in der Fotografie nicht von misslungenen Ergebnissen entmutigen lassen. Es ist noch nie ein Meister vom Himmel gefallen, und wichtiger als Hightech und physikalisches Wissen sind vor allem im Bereich der experimentalen Fotografie Kreativität und ein Blick für Motive.