berühmte Fotografen

Nobuyoshi Araki – Bondage, Tod und Augenblick im Blick eines japansichen Fotografen

„Realismus ist Realität; das ist wunderbar, beeindruckend. Davor verneige ich mich und mache mich selbst zur Kopiermaschine. Fotos sind nur Kopien der Realität. Das ist die einzige Wahrheit.“ (Nobuyoshi Araki)

Wenn von dem japanischen Fotografen Nobuyoshi Araki die Rede ist, dann meist zuerst von gefesslten Frauen, Detailaufnahmen weiblicher Genitalien und einer Erotik, die von vielen eher als Pornografie betrachtet wird.

Das jedoch ist bei weitem nicht die Wahrheit hinter Arakis Bildern, ebenso wenig wie diese Schlagwörter allein stellvertretend für die Arbeiten des Japaners wären.

Man könnte Araki in erster Linie als einen außergewöhnlichen und sehr vielfältigen Chronisten bezeichnen, der sich selbst wie er sagt, als „Ich-Erzähler“ versteht, dessen Fotos ihn selbst erklären. Er ist ein Chronist des Alltags, der festhält, was er denkt festhalten zu müssen. Seine Kompaktkamera mit Datumsanzeige hat er meist bei sich um den Augenblick festzuhalten. Auf diese Weise entstehen Unmengen von Bildern, die zumeist in einer Art Tagebuchcharakter das Leben und die Menschen in Tokyo festhalten. So wie sie sind, fern jeglicher gekünstelten, unechten Ästhetik, die als schön gilt.

Dabei steckt in jedem dieser eingefrorenen Momente auch der Tod, wenn auch nicht immer sichtbar. „Die Kamera beschwört immer schon den Tod herauf. Wenn man das, was sich bewegt, festhält, ist das eine Art von Tod“, sagt Araki.

Doch auch auf offensichtliche Weise nimmt der Tod eine Stellung in seinem Werk ein. Als Arakis Frau Yoko 1990 starb hielt er auch diese Augenblicke als Teil seiner fotografischen Arbeit fest. Er fotografierte sie auf dem Sterbebett und veröffentlichte die Bilder in einem seiner Bücher. Selbstverständlich fanden sich auch hier Kritiker. Seine Antwort war, dass er ohne seine Kamera Gefahr gelaufen wäre in Panik zu geraten. Somit zeigen sich gerade hier die essentiellen Bestandteile seines Lebens. Die Kamera, das beinahe obsessive Festhalten des Daseins in Bildern und natürlich die Frau als wesentlicher Bestandteil dieser Bilder.

Yoko war ebenfalls Protagonistin seines ersten, und laut eigener Aussage, bis heute „reinsten“ Buches. Sentimental Journey ist ein Bildband über ihre Hochzeitsreise. Dieser unterschied sich natürlich von dem, was man vielleicht im Allgemeinen von der Dokumentation einer solchen Reise erwarten würde. Es ist ein ungeschöntes und sehr intimes Tagebuch mit Aktbildern Yokos die nicht unbedingt gängigen Idealen von Romantik oder Schönheit entsprechen.

Von diesen Idealen jedoch hat Araki sich ja auch selbst abgewandt, denn gekannt hat er sie nur zu gut. Nach seinem Film- und Fotografie Studium in Tokyo arbeitete er für 9 Jahre bei Japans größter Werbeagentur Dentsu. Er konnte also genügend Wissen und Erfahrung in der Darstellung dessen ansammeln, was angeblich das Schöne darstellt. Nobuyoshi Araki jedoch entschied sich für seine Form der Fotografie und einen eigenen realistischen Blick.

Auf Artnet.de ist eine größere Auswahl von Bildern aus dem extrem umfangreichen Katalog seiner Arbeiten zu sehen. Eine kleinere Auswahl ist zudem bei Photography-Now zu finden.

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